Seuchenkolumne. Nachrichten aus der vervirten Welt 1108
Es konnte nicht sein. Der Zug konnte nicht sein. Der Zug konnte nicht pünktlich sein. Pünktlich kam er in Linz an, der Railjet, vielleicht ein Minütchen zu spät. Ich fand einen Sitzplatz, konnte sogar in Fahrtrichtung blicken. Saß im richtigen Zugteil. Ließ noch einmal kurz den Abend zuvor passieren, es hatte mir richtig Freude gemacht, im Posthof ausvorzulesen und dazu zu extemporieren. Der Moderator Christian Schacherreiter erwies sich als angenehm.
Nach dem Bühnenakt unterhielten wir uns bei einem Bier; Schacherreiter erzählte mir, er sei Direktor eines Gymnasiums gewesen, und auf einmal tauschten wir zu dritt Geschichten über unsere Schulzeit aus .
Vor Rosenheim hielt der Zug außerplanmäßig in Traunstein, „um einen Personalwechsel zu ermöglichen“. Von den 25 Minuten waren noch 17 auf dem Konto. Dann erreichten wir Rosenheim, und ein fröhlicher Zugbegleiter teilte uns mit, wir möchten die Pässe für eine Grenzkontrolle bereithalten, damit diese schneller vonstatten gehe. Als wäre Söder nicht schon wiedergewählt.
Auch in der 2. Klasse standen die Menschen dichtgedrängt. Bei Haltestellen wie Geltendorf bellte die Schaffnerin, verständlicherweise leicht gereizt ins Mikrofon: So Leute, der Lindauer Zug ist völlig überfüllt, entweder ihr rutscht zusammen oder wir machen die Türen jetzt einfach zu!