Mutter werden oder nicht?: Bis das letzte Ei gesprungen ist

Italia Notizia Notizia

Mutter werden oder nicht?: Bis das letzte Ei gesprungen ist
Italia Ultime Notizie,Italia Notizie
  • 📰 tazgezwitscher
  • ⏱ Reading Time:
  • 233 sec. here
  • 5 min. at publisher
  • 📊 Quality Score:
  • News: 97%
  • Publisher: 67%

Es wurde viel über Frauen gesprochen, die ihre Mutterschaft bereuen. Unsere Autorin wollte die meiste Zeit kein Kind. Jetzt ist sie 38 und fragt sich, ob das ein Fehler war.

Ein Artikel vonEiner der wenigen Momente in meinem Leben, in denen ich wirklich ein Kind wollte, war 2012 während eines Sommerurlaubs auf Korsika. Ich war 27 und schwer verliebt in meinen damaligen Freund, mit dessen uraltem VW-Kombi wir die Campingplätze an der Westküste der Insel abklapperten. Es war unser erster gemeinsamer größerer Urlaub und mein erster Campingurlaub überhaupt.

Allein bin ich damit nicht, wie mir meine Therapeutin bestätigt. Im Gegen­teil. Vor allem unter Akademikerinnen gebe es viele, die sich mit der Kinderfrage lange schwertun und mit Ende dreißig plötzlich doch das Gefühl kriegen, sie könnten etwas verpassen. Nicht jede wird sich ihren späten Kinderwunsch noch erfüllen können.

Ich habe auch über Jahre die Pille genommen. Im Frühjahr 2012, ein paar Monate vor dem Urlaub auf Korsika, setze ich sie ab. Nicht ich komme auf die Idee, sondern mein Freund, weil er es nicht gut findet, dass ich Hormone schlucke. Ich weiß noch, wie er damals sagt: „Dann geht es später auch leichter, wenn wir ein Kind bekommen wollen.“ Mit der Betonung auf später.

Er, der sechs Jahre älter ist, sagt, dass er kein alter Vater werden will und wir es jetzt einfach mal probieren sollten, weil es dafür eh keinen richtigen Zeitpunkt gibt. Es ist die Zeit von „Regretting Motherhood“, und so wohltuend dieser Tabubruch, den die Studie der israelischen Soziologin Orna Donath ausgelöst hat, für viele auch ist, so einschüchternd ist er für mich, der ja schon ein einziger, kleiner Negativaspekt gereicht hätte, um das Projekt „Kinderkriegen“ in die gleiche Kategorie einzuordnen wie „Freeclimbing“ oder „harte Drogen nehmen“ – irgendwie verlockend, aber vollkommen wahnsinnig.

Wenn ich an eine typische Mutter denke, fällt mir zuallererst die heilige Mutter Maria ein, obwohl ich nicht katholisch bin. Aufopferungsvoll, sich selbst verleugnend. Mehr für andere da als für sich selbst. Diese Art Mutter sehe ich regelmäßig in der Nachbarschaft und werde jedes Mal wütend, dass wir Frauen so etwas mit uns machen lassen.Ich habe Angst, eine schlechte Mutter zu sein.

2017 bleiben meine Tage aus. Mein Freund und ich sind kurz davor, nach London aufzubrechen, wo wir drei Monate verbringen wollen. Als der Frauenarzt „Herzlichen Glückwunsch“ sagt, fange ich an zu weinen. Ich rufe meinen Freund an, der genauso geschockt ist wie ich. „Ist es von einem anderen?“, fragt er. „Wir haben doch immer ein Kondom benutzt.“ Ich bin verletzt und lege auf.

Mit 34, ich reibe mich gerade zwischen einem Master und mehreren Freelance-Jobs auf, rät mir dieselbe Freundin, mich mit dem Thema „Social Freezing“ auseinanderzusetzen, also der Möglichkeit, mir Eizellen entnehmen und einfrieren zu lassen. Als meine Frauenärztin mir eine Grafik vorlegt, auf der die Fruchtbarkeitskurve ab Mitte dreißig rapide bergab geht, bin ich bestürzt.

Mit 37 bin ich 2021 also wieder Single und wohne in einer WG in Berlin-Moabit. Ich fühle mich so jung und frei wie seit Jahren nicht mehr. Die Ärztin klärt mich auf: Mein Anti-Müller-Hormon, das die Anzahl der noch vorhandenen Eizellen anzeigt, sei viel zu niedrig, und – viel entscheidender – mein follikelstimulierendes Hormon FSH sei viel zu hoch. Später lese ich, dass eine von 100 Frauen vor dem 40. Lebensjahr ihre letzte Periode hat, wobei manche Spe­zia­lis­t:in­nen von einer viermal so hohen Zahl ausgehen. So weit ist es bei mir allerdings noch nicht.

In den Wochen darauf sauge ich alle Informationen über die vorzei­tigen Wechseljahre auf, die ich finden kann. Ich lese von einem erhöhten Risiko, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose und Demenz zu bekommen. Mit einem Schlag fühle ich mich alt und habe all die misogynen Begriffe im Kopf, mit denen ältere Frauen beschimpft werden: ausgemergelte Ziege, alte Schachtel, Hexe. Ich schäme mich dafür, weil ich ältere Frauen eigentlich super finde.

Als ich meiner Mutter erzähle, dass ich eventuell frühzeitig in den Wechseljahren bin, sagt sie, dass das bei einigen Frauen in unserer Familie so ähnlich war. Absurd, dass ich das erst jetzt erfahre. Aber darüber zu sprechen ist eben immer noch ein Tabu. Auch bei unseren Familienfeiern krabbeln, brabbeln und krähen wieder vier Kleinkinder im Haus meiner Eltern. Ein Déjà-vu für meine Mutter – und eine Herausforderung für mich. Denn es ist zwar irgendwie toll, mit meinem Bruder und meinen Schwägern Bier aus Silberbechern zu trinken, während meine Schwestern und meine Schwägerin im oberen Stock im Dunkeln sitzen und stillen, aber im Gegensatz zu mir haben die Männer beides: die Kinder und das Bier.

Ich erinnere mich, wie ich Weihnachten für all die Kinder Geschenke gekauft habe, die nicht meine sind.

Abbiamo riassunto questa notizia in modo che tu possa leggerla velocemente. Se sei interessato alla notizia puoi leggere il testo completo qui. Leggi di più:

tazgezwitscher /  🏆 26. in DE

Italia Ultime Notizie, Italia Notizie

Similar News:Puoi anche leggere notizie simili a questa che abbiamo raccolto da altre fonti di notizie.

Die Mütter des Grundgesetzes: Wie vier Frauen vor 75 Jahren für Gleichstellung kämpftenDie Mütter des Grundgesetzes: Wie vier Frauen vor 75 Jahren für Gleichstellung kämpftenVor 75 Jahren wurde in Bonn unter sehr provisorischen Bedingungen das Grundgesetz ausgearbeitet. Besonders umstritten war die Gleichstellung von Mann und Frau.
Leggi di più »

Das Phänomen Pick-Me-Girls: Frauen gegen FrauenDas Phänomen Pick-Me-Girls: Frauen gegen FrauenDas Internet redet über „Pick-Me-Girls“: Frauen, die darauf abzielen, Männern zu gefallen, indem sie andere Frauen schlecht machen. Warum sie in den Sozialen Medien unbeliebt sind und was sie mit „Grey’s Anatomy“ zu tun haben.
Leggi di più »

Die schönsten Ideen für Mutter-Tochter-Tattoos: Liebe, die unter die Haut gehtDie schönsten Ideen für Mutter-Tochter-Tattoos: Liebe, die unter die Haut gehtKaum ein Band ist so stark, wie das zwischen Mutter und Tochter. Mit einem gemeinsamen Tattoo kann man diese Verbindung auch nach außen tragen. Wir haben die schönsten Ideen für Mutter-Tochter-Tattoos für euch gesammelt.
Leggi di più »

Ägypten: Urlaubs-Horror in Hurghada - Vierfach-Mutter nach Tauchgang vermisstÄgypten: Urlaubs-Horror in Hurghada - Vierfach-Mutter nach Tauchgang vermisstÄgypten: Sie wollte die Unterwasserhöhlen erkunden – jetzt ist Kristina O. verschwunden. Die Suche nach der vierfachen Mutter läuft.
Leggi di più »

Alleinerziehende Mutter Jessica Laue: 'Es ist egal, wie wir die Sozialleistungen schimpfen'Alleinerziehende Mutter Jessica Laue: 'Es ist egal, wie wir die Sozialleistungen schimpfen'Bürgergeld und Kindergrundsicherung sollen die Lage von Bedürftigen lindern, verspricht die Ampel. Aber kommen die Reformen bei den Betroffenen an? Ein Gespräch mit Jessica Laue, alleinerziehend, drei Kinder.
Leggi di più »



Render Time: 2025-04-04 07:56:09