Protest nach Zugunglück: Griechische Tragödie

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Nach dem Zugunglück in Griechenland machen Tausende Demonstranten weiter die Regierung verantwortlich. Am Donnerstag ist der nächste Protest geplant.

Die Wut der Menschen ebbt auch Wochen nach dem Unglück nicht ab: Massenprotest in Athen Foto: Florion Goga/reutersEs war ihr letzter Dialog, ihr allerletzter Funkkontakt vor der Katastrophe. Der Lokführer des IC 62 an den Stationsvorsteher im Bahnhof Larissa: „Hört mich Larissa?“ Die Antwort aus Larissa: „Er hört. Mit der Nummer 47 fährst du über die rote Ausfahrtsampel zur Einfahrtsampel in Neoi Poroi .

Manuelle Steuerung – bei bis zu 200 km/h Das fragen sich fast alle Griechen. Schnell wurde klar, dass der 59-jährige Bahnhofvorsteher in Larissa die Weichen falsch gestellt hatte. Der IC 62 kam so fatalerweise auf das falsche Gleis und knallte nach zwölf Minuten mit Karacho auf den Güterzug, der ihm entgegenkam.

Doch es kam alles ganz anders: Der Regierungschef blies kurzfristig einen Besuch ausgerechnet in der Zentrale des Leitsystems für das nordgriechische Eisenbahnnetz ab. Stattdessen ordnete er in seinem Athener Amtssitz Megaron Maximou eine dreitägige Staatstrauer an. Die Fahnen wurden bei allen öffentlichen Gebäuden auf halbmast gesetzt. Hellas trauerte. Eine stumme Wut hatte sich plötzlich über das Land gelegt.

Kostas A. Karamanlis, Transportminister, vor dem Zugunglück„Es ist eine Schande, dass Sie die Zugsicherheit infrage stellen. Wir gewährleisten die Sicher­heit. Folglich gibt es gar kein Problem mit der Sicherheit“ Der Frontalcrash in Tempi geschah für die Regierung Mitsotakis zur ultimativen Unzeit. Karamanlis, 48-jähriger Spross einer Politdynastie in Griechenland, die bereits zwei Premierminister mit insgesamt gut 13 Jahren Amtszeit stellte, trat zwar kleinlaut von seinem Ministerposten zurück. Seinen Sitz im Parlament behält er aber und bleibt damit im Fadenkreuz. Gäbe Karamanlis sein Mandat ab, verlöre er seine Immunität.

Karamanlis hüllt sich derweil in Schweigen. Gefühlt ist er untergetaucht. Richtig auf die Palme bringt er die Griechen indes damit, dass er bei den bevorstehenden Parlamentswahlen offenbar abermals für die konservative Regierungspartei Nea Dimokratia antreten will. Ein Unding, wie viele Griechen finden.

Entsetzt über die Tragödie in Tempi ist zudem die Generation Z, die hierzulande der Generation K entspricht: „K“ für Krise. Sie wird seit Griechenlands faktischem Staatsbankrott im Frühjahr 2010 mit seinen immensen ökonomischen und sozialen Verwerfungen von schweren Krisen gebeutelt. Schließlich gehen just jene Griechen auf die Barrikaden, denen der skandalöse Ausverkauf der griechischen Bahnen von Anfang an ein Dorn im Auge gewesen war: Auf Geheiß von Griechenlands öffentlichen Gläubigern EU, EZB und IWF wurde die hiesige Bahngesellschaft im Jahr 2017 für läppische 45 Millionen Euro an die italienischen Staatsbahnen verhökert und in Hellenic Train umbenannt. Dabei war dies genau genommen eine Pseudoprivatisierung.

Das rächte sich. Premier Mitsotakis steht vor dem Scherbenhaufen seiner Politik. Vier Tage nach dem Frontalcrash im Tempital, am 4. März, beging er seinen 55. Geburtstag. Still und leise. Der notorische Selbstdarsteller, der sonst vollmundig im Stakkato ein neues, modernes Griechenland propagiert, wirkt plötzlich verunsichert, orientierungslos, verloren. Krampfhaft darum bemüht, sich aus der politischen Sackgasse zu bewegen.

Eine mit gewisser Vorsicht zu genießende Umfrage des regierungsnahen Meinungsforschungsinstituts Marc , jedenfalls die erste veröffentlichte Umfrage nach der Zugtragödie, sieht die ND in der Sonntagsfrage aktuell bei 29,6 Prozent der Stimmen. Nichtsdestotrotz: Ex-Premier Alexis Tsipras könnte in der Wählergunst gerade nach der Zugkatastrophe gewaltig zulegen, wären nicht ausgerechnet in seiner Amtszeit die griechischen Bahnen an die Italiener veräußert worden.

Dies strebt er mehr denn je durch einen Wahlsieg im zweiten Anlauf an. Falls eine Regierungsbildung nach den ersten Wahlen scheitert, erhielte bei den übernächsten Wahlen der Erstplatzierte wieder einen Bonus an Mandaten. Genau darin sieht Mitsotakis seine Chance – der Tragödie in Tempi zum Trotz.

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