Seit Kurzem ist Katja Kipping Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales in Berlin. Die Ex-Linken-Chefin blüht auf. Ihrer Partei geht es schlecht.
Anna Lehmann 4.6.2022, 18:52 Uhr
Während der Coronazeit wurde das Hotel zum Ausbildungshotel. Hier konnten Berliner Azubis, deren Betriebe während des Lockdowns dichtmachten, ihre Ausbildung beenden, finanziert vom Berliner Senat. Die Linke Sozialsenatorin Elke Breitenbach hat das Projekt eingefädelt. Ihre Nachfolgerin ist seit Dezember Katja Kipping. An einem Montag im Mai macht sie sich ein Bild von Breitenbachs Vermächtnis. Doch vorher wandelt sie auf den Spuren ihrer Vergangenheit.
Die Diskrepanz zur Linkspartei könnte damit nicht größer sein. Der geht es schlecht, richtig dreckig. Als Kipping und Riexinger im Februar '21 ihre Posten räumten, hätten laut Umfrage nur noch 7 Prozent der Wähler:innen für die Linke gestimmt. In den Bundestag war die Linke im Herbst dann mit Ach und Seufz eingezogen. Mit 4,9 Prozent – dank dreier Direktmandate.
Zu gesellschaftlichen Megathemen, ob innen- oder außenpolitisch, findet die Linke schon lange keine klare Sprache mehr.
Susanne Hennig-Wellsow warf hin, zermürbt von den internen Machtkämpfen und widmet sich nun lieber ihrer Familie. Janine Wissler, angeschlagen durch Sexismusvorwürfe in ihrem Landesverband, denen sie ihren Kritiker:innen zufolge nicht konsequent nachgegangen sei, stellt sich zur Wiederwahl. Als die taz Katja Kipping Anfang Januar zum ersten Interview in ihrer neuen Position trifft, faltet sie gerade ein paar Aktenmappen. Kipping hat ihr Büro in dem langgestreckten Backsteinbau im Stadtteil Kreuzberg erst vor Kurzem bezogen. Hinter ihr an der Wand hängt ein Gemälde, das noch eine ihrer Amtsvorgängerinnen aufhängen ließ. Kipping kneift die Augen zusammen.
Kipping ist ganz zufrieden mit ihrer Bilanz, als sie Ende Mai zum Ankunftszentrum Tegel fährt, um freiwilligen Helfer:innen, die sich um Geflüchtete kümmern, Ehrenamtsurkunden zu überreichen. In einer Baracke, die einst als Autovermietung diente, haben sich etwa 50 Menschen im Halbkreis vor einer Stellwand mit den Namen von Wohlfahrtsverbänden und dem Slogan „Wir helfen Berlin“ versammelt. Vor ihnen steht Kipping und spricht in ein Mikrofon. 238.
Den Vorwurf, dass niemand sich am Hauptbahnhof blicken lasse, weist Kipping empört zurück. Ihr Büroleiter sei täglich vor Ort, um alles direkt mit den Freiwilligen zu besprechen, sie selbst wiederholt, auch unangemeldet, dort gewesen. Und mit den Toilettenbetreibern habe man permanent nachverhandelt. Aber einfach Geld zu überweisen, das gehe eben nicht. „Es muss immer alles belegbar sein.
Gedanken über ihre Zukunft hatte sich Kipping schon länger gemacht. Mit gerade mal 43 Jahren hatte sie in der Linkspartei fast alles erreicht. 1999 zog sie als jüngste Abgeordnete für die damalige PDS in den sächsischen Landtag, 2005 als eine der jüngsten Abgeordneten für die Linkspartei in den Bundestag, mit 34, kurz nach der Geburt ihrer Tochter, wurde sie Parteivorsitzende.
„Sie hat schon immer ein ziemliches Tempo vorgelegt“, erinnert sich ihr langjähriger Ko-Vorsitzender Bernd Riexinger an die ersten Monate mit Kipping an der Parteispitze. Kipping war schon als sächsische Landespolitikerin eine, die selbst nach einer Party im Morgengrauen aufstand und zum Bahnhof fuhr, um am anderen Ende der Republik einen Vortrag zum bedingungslosen Grundeinkommen zu halten. Vor einem Häuflein Zuhörer:innen. So erzählt es ein ehemaliger Mitstreiter.
Hinter der personalisierten Auseinandersetzung zwischen zwei selbstbewussten Frauen steckte in Wirklichkeit ein knallharter Richtungsstreit. Wagenknecht wirbt für ein „linkskonservatives Programm“, für eine Linke, die sich auf soziale Fragen innerhalb nationalstaatlicher Grenzen konzentriert. Eine Art Retro-Linke also, die sich der von der Ampelregierung verbreiteten Modernisierungseuphorie entgegenstemmt. Die EU ist Wagenknecht suspekt, ebenso wie nach Europa strebende Migrant:innen.
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